Aus dem Jahr 2007

Erhobenen Hauptes
Jetzt tief in der Nacht
bin ich bereit mich
einzulassen
in den Abgrund hinabzusteigen
Gekämpft habe ich mit Kräften
die mir niemand -
auch nicht ich selbst
zugetraut hätte
gekämpft um das bisschen Leben
das äussere, das gesellschaftliche
es wurde mir abgeschnitten
durch unmenschliche Auflagen
es wurde mir entwürdigt durch
Menschen
die tief in ihren Sesseln sitzen
und sich Gedanken
um die nächste Party machen
und denen meine leisen Bittgesuche
in ihren vergezetzlichten
Computerstatistiken
nur eine Nummer waren.
Immer bereit nach Niederschlägen
wieder aufzustehen
selbst nach schlaflosen Nächten
den Kampf von neuem zu beginnen,
sehe ich meine Kräfte schwinden,
sehe ich mein bescheidenes Leben
im Sumpf der Oberflächlichkeiten
verschwinden
nehme ich meine Liebenswürdigkeit
die ich auf den Schreibtischen
der Gesetzgeber vorsichtig ablegte
und werde sie in mildfarbenes
Papier packen, denen hinterlassen,
die gleich mir chancenlos
unter die Räder der Vergessenen
geraten.
Ich möchte als mein letztes Werk
ein Gebetbuch schreiben für die Armen -
jene Armen, die man statistisch
nicht erfassen konnte,
weil sie im Stillen litten
weil sie sich schämten
weil sie die Gesellschaft
nicht berauben wollten
weil sie nicht der Kaste
der Sozialhilfeempfänger
angehören wollten
weil sie Würde und Stolz besassen,
das magere Brot der
hingeworfenen Ratschläge
satter Parlamentarier
nicht beissen wollten.
Schlagt uns nur weiter
mit Sozialreformen
und sättigt euch an unserer
Hilflosigkeit
kämpft um Ämter mit lauten
und schrillen Argumenten -
ihr seid so arm -
ihr werdet nie mild sein -
nur besessen -
und vergessen.
Und erhobenen Hauptes verlieren -
das werdet ihr nicht mehr können.
Verloren habt ihr,
die mir die kleine bescheidene
Existenz nahmt.
Verloren habt ihr,
die ihr euch Sozialisten nennt
oder Demokraten -
verloren habt ihr schon lange eure Würde -
nicht ich !
Nun frage ich mich,
was ich überhaupt verlieren konnte.
Ich stehe erhobenen Hauptes
und diese wunderbare milde Nacht
mit den schweren Worten
aus der Seele hinterlässt
eine Weite in mir,
die in keinem Gesetzbuch steht,
die in keiner Bibel steht
diese wunderbare Nacht hat
offene Arme für mich,
hat die Wärme
die ich am Tag nicht finde,
hat das Herz,
das ruhiger schlägt
ach, ihr armen Toren,
die ihr um ein bisschen Macht feilscht
und die wahren Werte,
die vergessenen Werte
unter eurer verlogenen
Liberalität verloren habt…….
ihr armen Toren…..
kennt ihr solche Nächte ?
Meine Umarmung gilt all jenen,
die jetzt verzweifelt in den Ecken hocken
die jetzt verzweifelt auf ein Wunder hoffen,
die jetzt aufgeben wollen,
weil ihnen nichts mehr bleibt -
außer ,
was ich hoffe ihre eigene Selbstverständlichkeit.
Gute Nacht

(c) Brynhild)

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Ergebnis…
…ist oft die Erkenntnis, daß das was man sucht
was man sehnlichst vermisst
sich als aus Stein erweist
und man fassungslos
vor der Unbeweglichkeit
erstarrt
inmitten des Erwachens.

Brynhild 2007

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Der einsamen Wochenende erzählt manchmal Bände von Kümmernissen in nächtliche Kissen gebissen von Kalenderblättern – abgerissen an nagenden Tagen, die Stunden sie fließen durch Tagträume hin und wenden sich zu der Zeit eingebettet in das Wort – Vergangenheit – und dennoch was hilft all das Klagen an und mit Dem Leben zum Trotz ein Liedchen schwingt immer mit denn aufgeben heißt kleben an Menschen, an Dingen die nicht zum Abenteuer “Miteinander” sind bereit und dinglich ist so manch Papier auf dem geschrieben steht “wir”. Da heißt es ent-sorgen nicht sorgen da heißt es auf ein Morgen nicht verborgen da heißt es singen und nicht das Anklageblatt schwingen da heißt es geht fort ihr Schattengedanken und nicht ein taumelndes Sehnsuchtswanken Da heißt es nimm es so wie es ist bevor das Leben dich ganz vergisst !

(Brynhild) 2007

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An einem Regentag
wie diesem mitten im Mai
träumt Brynhild – sie ist so frei
und lädt sich die weinenden Balladen
von Tom Waits
der seinen Lebensschmerz
in der Flasche spülte
und erinnert sich an Cohen, Leonard
tanzt auf seiner Stimme
und seufzt den Blues
An einem Regentag wie diesem
mitten im Mai
tränt Brynhild – sie ist so frei
verdammt – verdammt -
es ist vorbei – es ist vorbei -
und “Waltzing Mathilda”
schwingt mit den Tropfen
die den Regen an all die
Erinnerungen tropfen
An einem Regentag wie diesem
……sie ist so frei……

(Brynhild 2007)

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Des Samstags Grau in ruhevollem Grauen

..erlebte ich wohl heute.
Lahm gelegt, entfesselt für einen Tag, entfesselt von der Gram, die nur im Nebenraum schlummerte, halb wach, halb schlafend, dennoch auf dem Sprung, sollte ich mich zuviel bewegen. So kam es mir vor, als gäbe man mir einen Tag Galgenfrist, vielleicht auch morgen noch einen zweiten. Gedanken und Sorgen dämmerten gemeinsam im Zwischenspeicher und mein Körper war zu müde, den angespannten Schmerz in den Gliedern überhaupt noch wahrzunehmen.
Kein Telefon, kein Brief, kein Klingeln an der Haustür drangen in die Galgenfrist, die Wächter meines Untergangs nahmen sich eine Auszeit. Zeit für eine kleine Henkersmahlzeit aus “feinen” Resten, schmackhaft vor dem Fernseher, der Mord produzierte, bevor eine neue Woche mit mir zu Gericht sitzen wird.
Es war gut – diese gezwungene Zwischenzeit geschenkt bekommen zu haben. Ja, es war gut, doch jenseits jeglicher Produktivität.
Vielleicht war es die warme Hand einer lieben Freundin, die sich mir gestern Nacht noch durch einen Brief entgegenstreckte und der liebe Zuspruch, mich zuzudecken und mir eine Tasse Tee zu kochen, sich mit angekauerten Knien zu mir zu setzen, zu schweigen und einfach nur da zu sein, die meinen Abfallkörper und meine Endzeitgedanken schachmatt setzten.
Ihr gilt der Dank für diesen Tag

Brynhild

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Um wie vieles leichter könnte es sein, ich könnte meine Sprachlosigkeit besingen, ihr Raum geben, sie untermalen oder stimmlos alles hinausschreien, was mein Leben erschwert. Andererseits halte ich es für Unsinn, denn erstens, wen interessiert denn schon das Schicksal eines einzelnen, ja – nicht einmal das Schicksal ganzer Völker dringt bis in jene Hirnwindungen, wo derartiges hingehören würde. Vollkommen überflutet ist eigentlich die Masse der Menschen, sogar jene, die für Stille und Einkehr appellieren, sind eigentlich noch zu laut, mich wohl eingenommen. Wenn man derart am Leben und auch nur ein bisschen Glück vorbeihuscht, wie es mir momentan geschieht, dann sollte man ganz ganz still sein, sollte sich abwenden von allem Jammern und Wehklagen, sollte nach Lösungen suchen, ganz für sich allein und sich selbst, sollte erst wieder auftauchen, wären jene gefunden. Werden sie nicht gefunden, verschwindet man ganz schnell und einfach wieder in der Masse der Verschwundenen. Gedankenjagen, Angst, Verzweiflung, Sehnsucht, Sorgen, Schmerzen, Unverständnis, Erniedrigungen, Zuwiderhandlungen, Ungerechtigkeit …………..leises Lächeln, tiefes Schauen, Wahrnehmen, winzig kleine Freuden, Schlaf, Schlaf, Schlaf….Wärme…..alle diese größeren oder kleineren Dinge, wen gehen sie eigentlich etwas an. Wer sticht sich schon gerne an den Dornen, die die verblühende Rose trägt. Noch duftet die Erde, in die man langsam versinkt. Nein, nein, keine Sorge, nicht wieder ein Aufschrei nach Aufgabe, nur ein gerafftes gedankliches Resümee des Tages. Bald ist ein neuer Tag. Klar doch, gehe ich ihn an, wie immer. Schutz und Schild bereit, auch wenn darunter kaum noch Kleid. Ohne lyrisches Theater ganz pragmatisch deutsch und deutlich Scheiße ist`s…..

meint Brynhild
die langsam zum Esel mutiert

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Wenn man so bedenkt
….wie schnell die Zeit geht, wie man sie erlebt, dann ist es erschreckend, dass man sie nicht so nutzen kann, wie es angebracht wäre. Ich weiß, daß ich meine kleinen Wünsche hintenanstellen muß und ich spüre heute, jetzt zu beginnender Nacht diese unglaubliche Müdigkeit, die zwar einen Teil meines Geistes lahmlegt, den anderen Teil dennoch wach hält. Da versuchen sich, die Verkrampfungen der letzten Wochen zu lösen, da wollen sich Kräfte für die nächste Zeit sammeln – nur das Becken, in dem das massvoll geschehen kann, das muss ich noch finden. Auch wenn alles in mir arbeitet, wie es weitergehen soll, so habe ich mir schlichtweg auferlegt, dass sogar ich mir ein Wochenende gestalten will. Es geht nicht an, immer im Leid zu verharren, immer in der Sorge zu ertrinken. Beides ist da, aber nur ein paar Stunden Auszeit erhoffe ich mir von ihnen. Mich ablenken, mich schonen, mich kreativieren, mich vielleicht sogar “schön machen” – nur für mich, mich be-leben. Denn man darf nicht stehen bleiben im Schmerz, es reisst auf und man reisst andere noch mit hinein. Ich glaube, nur in Ausnahmenfällen, wenn es bei einem komplett aussetzt , sollte man ein wohltuendes Gespräch suchen.
Ich will kein wandelndes Schmerzbündel mehr sein, und wenn ich nur Augen-Blicke erhaschen darf, gut – dann nehme ich eben nur diese. Abnabeln von der ständigen Angst zu versagen, es holt einen sowieso ein, trotz allen abstrampelns…..es holt einen ein, aber vielleicht ist ein vielleicht noch irgendwo versteckt, ein vielleicht das nicht zaghaft ist, sondern eines, was auszuschmücken wäre.
Manchmal frage ich mich wirklich woher ich diese Kraft hole……Es ist schwerlich nachzuvollziehen für andere Menschen, die nicht diese Zeiten durchleben. Die nicht diese Stapel der Aussichtslosigkeiten und der Kälte auf sich spüren.
Und wenn alles schweigt, wenn alles im Schweigen ertrinkt, umarme ich mich dafür dass ich noch lieben kann ohne diese Liebe zu “besitzen”.
Und jetzt sollte ich mir noch ein Schnittchen machen….und mir die kleinen Geschichten von Elke Heidenreich zur Seele führen, die so locker leicht und frech berühren…..so der jetzige Augenblick, da eine meiner Katzen von hinten angeschlichen kommt und mein Ohr anknabbert,und sanft ihr kleines Köpfchen an meiner Wange reibt. Das ist Wärme, das ist Leben – eben – Augenblicke.

(c) Brynhild Text und Bild

(c) Brynhild Text und Bild


Brynhild 2007
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(c) Brynhild Text und Bild

(c) Brynhild Text und Bild

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Die meisten Verse und Gedanken aus 2008 habe ich schon im Blog veröffentlicht – dennoch – hier gekürzt, gesammelt.
2009 keine neue Homepage privater Natur, das Berufliche zwingt mich zu etwas mehr Aufmerksamkeit und auch das Private befindet sich in einem anderen Licht. Nur noch leichte – manchmal angstvolle Schatten durchziehen mein Gemüt. Genug zu schreiben und zu fabulieren gibt es, nur es fehlt die Zeit und auch das Internet, wo man sich so schrecklich öffentlich macht und nicht jeder das Ansinnen des Schreibens so versteht, wie man es selbst tut, hindert mich.

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