Aus dem Jahr 2008

Viel zu klein ein Dichter zu sein

Ich mag nicht mehr schreiben
für die Welt
die alles seziert
was aus dem Herzen gemeint

Nicht Anspruch erhob ich je
weder literarisch
noch politisieren wollt ich
auch keine religiösen Verse
beten
- für die Welt -
noch an die Reichen appelieren
die die Armen aus dem Leben
katapultieren

Ich mag nicht schreiben
für Ruhm und Statistik
beides ist für mich nicht wichtig
und schreiben die Lyrik kann
ich auch nicht richtig.

Doch glaubt mir bei all dem
was ich schon gelesen
sind die, die heute sezieren
die besten sicherlich nicht
gewesen.

Da muss man tiefer suchen
und mit Musse als nur im Netz
einen Schreiberling besuchen.
Da muss man lernen, ein Aug oder zwei
auch mal schmunzelnd zuzudrücken
wenn Herz und Schmerz als Gedicht
entzücken.

Wir alle, wir kleinen die ein wenig
der Sprache mächtig
wir sollten lernen und das eben nur
bedächtig
und hüten die spitze Zunge
wenn man mal etwas gelesen
oder studiert gar hat
was “echte” Lyrik gewesen.

Im älter werden wird alles sanfter
der Vers muss nicht unbedingt
brillieren
er darf auch ruhig mal trivial
vibrieren
und mittlerweilen mach ich mir
einen Scherz auf all das Gute
und schreibe irgendwie fast nur noch
nach Schnute.

Nein, ich mag nicht mehr schreiben
für die Welt
sie ist so schein, wie mein “Gedicht”
sicher nicht unter Lyrik fällt
sie ist so schnell, so schnell
kann ich gar nicht mehr schreiben

drum ihr Lieben
bleiben meine Zeilen nur noch im
Kleinen
die etwas grösseren die bleiben
in meiner eigenen Welt
die nicht über gute oder schlechte Gedichte
bellt.

Still und ganz bescheiden
zu wissen
dass ich schon kann unterscheiden
was ist gut und was ist klein

das reicht mir schon
für mich als kleines Schreiberlein.

Nun denn, das musste auch mal sein

und Brynhild geht nun lesen

die Lyrik von den wahrlich grossen
Dichter fein.

© by Brynhild 2008 Bild Spitzweg

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Am, Im, Um
den Niederrhein
da lebe ich,
wo es wunderbar tief und manchmal
erschreckend beklemmend ist,
streife durch die Wiesen,
ziehe die Schuhe aus,
werfe mich über den Zaun,
streichle dem Pferd übern Kopf,
ziehe von Baum zu Baum
und hab den Niederrhein auch oft
im Traum.
Hier war ich klein,
mit geschundenen Knien
mit Drachen aus Zeitungspapier
auf gestoppeltem Feld
mit Rollschuhen, auf denen ich
mir erkor als Eigentum die ganze Welt,
mit Zöpfen so hart und gelb wie Stroh
und Sommersprossen, welch eine Zier.
Hier war ich klein und ging in die Kirch`
wollte fromm sein und Hexe zugleich
hier lehrte man mich die Beicht`
und machte das kleine Kinderherz
angstvoll und bleich.

Hier wurde ich groß
an Gestalt und mit Flausen im Kopf
doch ich schnitt nicht ab den kindlichen Zopf
suchte Gnome im heimischen Hain
grub in Schätzen bei May, später bei Heine
letztendlich mit Hesse
sang Cohen`s Suzanne im grünen Moos
las Freud, Kant und Kierkegaard in einem alten Kahn
tanzte mit Flöte und umkränztem Haar
mit wallenden Kleidern über Gräser am Rhein
hörte Harfen klingen, wenn andere Karneval singen.
Hier wurde ich gross und blieb doch so klein
an meinem wunderschönen Niederrhein
mit den grünen Wiesen und schönsten Küh`n
den beschnittnen Weiden und Großmutters
Gemüsebrüh`n
und wenn im November die melancholischen Geschichten
in den Köpfen der Menschen hier blüh`n und Schweigen
sich breit macht in den Alleen
wenn die Läden geschlossen nach Allerseelen zieh`n
dann spür ich im älter werdenden Geäst

hier warste klein, hier warste groß
hier wirste alt

und hoffentlich stirbste auch im Moos.

© by Brynhild Text & Bild

Niederrhein (c) Brynhild

Niederrhein (c) Brynhild

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Ist Traurigkeit
der Zustand
in dem man sich nicht traut
der Angst ins Gesicht zu sagen
dass sie gehen soll ?

Ist Angst
der Zustand
der dem Glück
das Seil durchschneidet
dass es dünn zusammen hielt?

Ist Glück
der Zustand
von dem man immer wissen müsste
dass er nur ein Hauch
ist, der unter Decken der Gewohnheiten
sich verflüchtigt ?

Ist Ruhe
der Zustand
der nur gegeben ist, wenn
Traurigkeit
Angst
Glück
uns verlassen.

Ist die Leere
der Zustand
wenn man sich verweigert
traurig zu sein
Angst zu haben
glücklich zu sein ?

Was ist das Leben nur
für ein
Zustand.

Brynhild 2008

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