Sommer
Das ist des Sommers tiefe Güte
und seines Segens schönste Tat,
daß er in heller Stille naht
und lächelnd Blüte rings und Blüte
verstreut wie eine bunte Saat.
Mit schlanken Händen, ohne Trauern,
löst er die Rosen von den Mauern,
daß nicht ein schmerzlich Überdauern
an welkgewordnen Zweigen bebt.
Wie schön, im Taumel junger Stunden
bis in den Tod sich zu verwunden,
eh wir des Rätsels Qual empfunden,
daß wir gelebt !
Martin Boelitz (1874-1918)
Gedicht gefunden bei meiner Arbeit – in einem Buch von 1929 – Die Brücke – Ein Buch niederrheinischer Dichtung der Gegenwart (welche dazumal war 1929)


